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Goethe-Universität Frankfurt
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Klaus-Groth-Straße 6, 60320 Frankfurt am Main Frankfurt am Main Mitte-Nord, N 50° 08.555' E 008° 40.273'

Max Wertheimer lebte von 1931 bis 1933 in der Klaus-Groth-Str. 6

Er begründete 1912 in Frankfurt die bis heute einflussreiche Gestaltpsychologie mit seinen Arbeiten zu Wahrnehmung von Bewegungen. Von 1929 bis zu seiner Emigration 1933 war er Professor für Psychologie an der Goethe-Universität. Im Exil machte er sich durch seine denkpsychologische Studien einen Namen.

Wertheimer, geboren 1880 in Prag, entstammte einem jüdischen Elternhaus. Mit 18 Jahren begann er zunächst in seiner Heimatstadt zu studieren und wechselte zwei Jahre später nach Berlin. 1904 promovierte er an der Universität Würzburg und kam 1910 nach Frankfurt, wo er 1912 an der Akademie für Handelswissenschaften mit seiner Schrift „Über das Sehen von Bewegung“ habilitierte. Sie machte ihn schlagartig bekannt.

Mithilfe von Stroboskopen, die durch eine schnelle Abfolge von Standbildern den Eindruck von Bewegung erzeugen, untersuchte Max Wertheimer systematisch, wie der Eindruck von Scheinbewegungen zustande kommt. Er fand heraus: Ist der zeitliche Abstand zwischen zwei Bildern kürzer als 0.03 Sekunden, werden die Reize vom Gehirn als simultan erkannt. Ist das Zeitintervall größer als 0.15 Sekunden, nimmt man zwei getrennte Bilder wahr. Alle Zeitintervalle, die zwischen diesen beiden Extremen liegen, registriert das Gehirn als (Schein-)Bewegung.

Wertheimers wichtigste Erkenntnis war, dass wir nicht zwischen Scheinbewegungen und realen Bewegungen unterscheiden können. Deshalb könnten Scheinbewegungen auch nicht sinnesphysiologisch erklärt werden. Sie beruhten vielmehr auf übergeordneten Prozessen im zentralen Nervensystem, die er als „Phi-Phänomen“ bezeichnete. Wertheimer versuchte dies auch durch Untersuchungen an Patienten mit psychopathologischen Wahrnehmungsstörungen zu bestätigen.

Ausgehend von seinen Experimenten formulierte Max Wertheimer die Gestaltpsychologie, in der er Wahrnehmung als ein ganzheitliches Phänomen beschrieb. Er folgte dabei seinem Prager Lehrer, dem Philosophen Christian von Ehrenfels. Dieser war der Ansicht, dass Wahrnehmung sich nicht aus der Summe einfacher Sinnesqualitäten zusammensetzt.

1916 wurde Wertheimer nach Berlin gerufen, um für die Artillerie-Prüfungskommission wissenschaftliche Untersuchungen zur Wahrnehmung von Bewegungen anzustellen. Außerdem erhielt er einen Lehrauftrag für Psychologie an der Humboldt-Universität, die ihn 1924 zum außerordentlichen Professor der Philosophie ernannte. In seinen Berliner Jahren entwickelte Max Wertheimer die Gestalttheorie mit den Psychologen Wolfgang Köhler und Kurt Koffka weiter. Gemeinsam begründeten sie mit dem Psychologen Kurt Goldstein und dem Psychiater Hans Walter Gruhle die Fachzeitschrift „Psychologische Forschung“, bis 1938 das wichtigste Publikationsorgan der Gestaltpsychologie.

1929 folgte Max Wertheimer dem Ruf auf den Lehrstuhl für Philosophie und Psychologie der Goethe-Universität. Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er 1933 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt und ging ins Exil nach New York, wo er eine Gastprofessur an der New School for Social Research erhielt. Seine experimentellen Arbeiten konnte Wertheimer dort nicht fortsetzen. Stattdessen widmete er sich denkpsychologischen Studien, für die er später ebenfalls berühmt wurde. Wie schon in den Berliner Jahren verband ihn auch im Exil eine Freundschaft mit Albert Einstein. Max Wertheimer starb 1943 in New York. ahv

Wertheimer, Max
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