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Goethe-Universität Frankfurt
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Laubestraße 10, 60594 Frankfurt am Main Frankfurt am Main Süd, N 50° 06.254' E 008° 41.064'

Karl August Reinhardt lebte von 1921 bis 1924 in der Laubestr. 10

Er studierte Mathematik mit den Nebenfächern Physik, Chemie und Philosophie. 1918 promovierte er an der Frankfurter Universität. Von 1921 bis 1924 war er dort wissenschaftlicher Assistent und Privatdozent für Mathematik.  1928 löste er eines der  Probleme, die sein Lehrer David Hilbert 1900 als wesentlich für den Fortschritt der Mathematik erklärt hatte.

Karl August Reinhardt, geboren am 27. Januar 1895 in Frankfurt als Sohn eines Kaufmanns, nahm sein Mathematikstudium 1913 in Marburg auf und wechselte ein Jahr später an die neu gegründete Universität seiner Heimatstadt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er zunächst eingezogen, leistete dann aber  seinen Wehrdienst als Mathematik-Lehrer ab. Parallel dazu konnte er weiter studieren und seine Dissertation bei Ludwig Bieberbach beginnen.

Bieberbach hatte sich mit einem der 23 ungelösten Probleme beschäftigt, die der berühmte Mathematiker David Hilbert seinen Kollegen im Jahr 1900 bei einer Tagung in Paris als „Hausaufgaben“ für das neue Jahrhundert mitgegeben hatte. Es war Bieberbach nur teilweise gelungen, das 18. Hilbert’sche Problem zu lösen, so dass Reinhardt sich in seiner Dissertation weiter damit beschäftigte. Das Wintersemester 1917/18 verbrachte er als Assistent Hilberts in Göttingen. Im Januar 1918 bestand er in Frankfurt das Rigorosum.

Nach Kriegsende qualifizierte sich Reinhardt als Gymnasial-Lehrer für Mathematik, Physik und Philosophie. Gleichzeitig arbeitete er an seiner Habilitationsschrift, die er im Mai 1921 einreichte. Die Doppelbelastung setzte ihm aufgrund seiner schwachen Gesundheit besonders zu.

1924 wurde er auf eine außerordentliche Professur für reine und angewandte Mathematik an der Universität Greifswald berufen. Nun konnte er sich ganz der Forschung widmen. Die Jahre 1927 und 1928 waren für ihn besonders produktiv und gipfelten in dem Beweis des 18. Hilbert’schen Problems ein Polyeder zu finden, aus dem der dreidimensionale Raum lückenlos aufgebaut werden kann und das nicht Fundamentalbereich einer Bewegungsgruppe ist. Im selben Jahr wurde er auf eine ordentliche Professur berufen.

Als ehemaliger Lehrer blieb Reinhardt an Fragen der Lehre interessiert. 1934 publizierte er seine Überlegungen, wie man Studierende in den ersten Semestern an die Mathematik heranführen kann, unter dem Titel „Methodische Einführung in die Höhere Mathematik“. Zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere genoss Reinhardt einen ausgezeichneten Ruf als Wissenschaftler und Lehrer. Er starb mit nur 46 Jahren in Berlin.

(AH)

Reinhardt, Karl August
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