< Guide
Goethe-Universität Frankfurt
+ comment
Grüneburgweg 117, 60323 Frankfurt am Main Innenstadt, N 50° 07.382' E 008° 39.739'

Ruth Moufang lebte von 1958 bis 1970 im Grüneburgweg 117

Die berufliche Laufbahn von Ruth Moufang begann kurz nach dem Abitur, 1925, als sie mit ihrem Mathematiklehrer ihren ersten Fachartikel veröffentlichte. Im selben Jahr schrieb sie sich für Mathematik und Physik an der Goethe-Universität ein.

Am mathematischen Seminar war sie damals vermutlich nicht die einzige Studentin; aber dass Ruth Moufang eine wissenschaftliche Karriere anstrebte, das war einzigartig. 1929 legte sie noch das Staatsexamen ab – Absolventinnen waren für den Beruf der Lehrerin vorgesehen –, aber schon im Jahr darauf promovierte sie bei Max Dehn, Mathematiker mit internationaler Reputation. In seinem Gutachten bezeichnete er ihre Arbeit anerkennend als „eine wesentliche Bereicherung unserer geometrischen Einsicht“.

Nach Lehraufträgen in Marburg und Königsberg kehrte Ruth Moufang 1933 an die Goethe-Universität zurück. Doch es herrschte nicht mehr das kollegiale Klima, das sie zuvor erlebt hatte. Ihr Förderer Max Dehn und weitere Kollegen wurden von den Nationalsozialisten auf Grund ihres jüdischen Hintergrundes verfolgt und mussten fliehen. Ruth Moufang habilitierte sich dennoch 1936, musste aber kurz darauf die Universität verlassen. Das Ministerium hatte ihr trotz der Fürsprache des Rektors die Lehrerlaubnis verweigert mit der Begründung, als „weibliche Dozentin“ fehlten ihr „erzieherische und Führereigenschaften“.

Ruth Moufang hatte keine Wahl. Sie ging als wissenschaftliche Angestellte zur Firma Krupp nach Essen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie als Mathematikerin bereits Beachtliches geleistet. Mehrere geometrische Strukturen wurden nach ihr benannt. Nach Kriegsende trug sie wesentlich zum Wiederaufbau des Seminars für Mathematik an der Goethe-Universität bei. Dabei bewältigte sie ein enormes Lehrpensum und begleitete erfolgreiche Dissertationen. Finanziell waren die Nachkriegsjahre eine Durststrecke, zumal Ruth Moufang auch für ihre Schwester und ihre Mutter sorgen musste. Das änderte sich erst 1957 mit einer ordentlichen Professur. An ihre Forschungsleistungen der 1930er Jahre konnte die Wissenschaftlerin jedoch nie wieder anschließen.

Die Freude über die späte Anerkennung als erste Lehrstuhlinhaberin für Mathematik in Deutschland muss für Ruth Moufang einen bitteren Beigeschmack gehabt haben: Noch bei ihrer Emeritierung 1970 zitierte sie aus dem Ablehnungsschreiben, das sie 30 Jahre zuvor erhalten hatte. (KV)

Moufang, Ruth
+ comment
loading