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Goethe-Universität Frankfurt
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Stresemannallee 36, 60596 Frankfurt am Main Frankfurt am Main Süd, N 50° 05.689' E 008° 40.222'

Friedrich Dessauer lebte in der Stresemannallee 36

Friedrich Dessauer wurde am 19. Juli 1881 in Aschaffenburg geboren. Ab 1899 studierte er Elektrotechnik und Physik in Darmstadt und München, brach das Studium aber ab und gründete eine Firma für den Vertrieb der von ihm entwickelten Röntgenapparate. 1906 fusionierte sein Betrieb mit einem Frankfurter Unternehmen zu den Vereinigten Elektroinstituten Frankfurt-Aschaffenburg (VEIFA) – diese musste er aber im ersten Weltkrieg aus wirtschaftlichen Gründen an die Konkurrenz verkaufen. 1914 setzte Dessauer sein Studium an der neu gegründeten Universität Frankfurt fort und promovierte nach drei Jahren.

Nach dem Ersten Weltkrieg trat Dessauer, beindruckt von dem politischen Umschwung zur Demokratie, der christlichen Zentrumspartei bei und wurde Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Zentrumsvorstandes in Frankfurt. Darüber hinaus wurde er 1920 Honorarprofessor an der Naturwissenschaftlichen Fakultät. 1921 übernahm er die Leitung des Instituts für physikalische Grundlagen der Medizin, das auf seine Initiative hin gegründet worden war und noch heute als das Max-Planck-Institut für Biophysik existiert. 1922 erhielt er schließlich eine ordentliche Professur. 1924 wurde Dessauer eher unfreiwillig zum Reichstagsabgeordneten der Zentrumspartei gewählt. Zwar wollte er bis zuletzt gegen das Ermächtigungsgesetz stimmen, musste sich aber letztendlich dem Fraktionszwang beugen. Dennoch führte sein Widerstand gegen die Nationalsozialisten im Sommer 1933 zu seiner Verhaftung und einer konstruierten Anklage. Im April 1934 wurde er trotz eines Freispruchs in den erzwungenen Ruhestand versetzt, verhandelte aber bereits mit der Universität Istanbul, die ihn auf eine Professur für Radiologie und Biophysik berief. Möglich wurde das durch das Engagement des Neuropathologen Philipp Schwartz, der mit der „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ hunderten vertriebenen Wissenschaftlern ermöglichte, ihre Karriere im Ausland weiterzuführen.Drei Jahre später wechselte er an das Physikalische Institut der Universität Fribourg in der Schweiz.

1953 kehrte der 72-Jährige Dessauer nach Deutschland zurück und war jahrelang der gefragteste Redner nach Theodor Heuss: Seine Vorlesungen an der Goethe-Universität waren bis zum letzten Platz besetzt. Er starb 1963 an den Folgen der Strahlung, der er wegen seiner radiologischen Arbeit jahrelang ausgesetzt war. (WT und RS)

Dessauer, Friedrich
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